Interview: Mark Forster / Album: Karton / feat. Sido – Einer dieser Steine


Große Brille, kurzer Bart, selten ohne Kopfbedeckung – auf den ersten Blick sieht Mark Forster eher wie ein ausdauernder Student aus, als wie ein zukünftiger Popstar.  Zwar hat der Wahlberliner tatsächlich einige Semester Jura im Lebenslauf stehen, doch 2012 schickte er sich an, mit seinem Debütalbum „Karton“ die Charts zu erobern.

Der Zeitpunkt schien gut gewählt, denn Musiker wie Tim Bendzko, oder Clueso haben den Weg für eingängige deutschsprachige Popmusik mit ambitionierten Texten geebnet. Doch Mark Forster steht durchaus für eine überzeugende eigenständige Position: „Ich mache deutschsprachige Musik, weil mir wichtig ist, was im Text  passiert. Deshalb war immer klar, dass ich in der Sprache singe, in der auch denke“, sagt er im take-Interview.

Auch wenn der Text im Vordergrund steht, will er darüber die Musik keinesfalls vernachlässigen: „Ich wollte eine Mischung aus Bio und Elektrisch. Also möglichst viele organische Instrumente wie Streicher, akustische Gitarren oder das Klavier. Aber auch ‚Fitzelgrooves’ oder die Drummaschine – eben genau das, was der jeweilige Song braucht.“ Umgesetzt wird genau das, was für die Grundstimmung des Songs erforderlich ist.  Da passt es ins Bild, dass ausgerechnet der einzige gecoverte Titel auf der CD völlig aus dem Rahmen fällt: Forsters Version des Fanta-4-Klassikers „Sie ist weg“ ist völlig anarchistisch geraten.

Für den ungewöhnlichen Albumtitel „Karton“ gibt es eine denkbar einfache Erklärung: „Karton“ war der erste Song, den ich für das Album geschrieben habe. Damals hatte ich mich mit einer Tonne Liebeskummer ans Klavier gesetzt und wollte ein Lied schreiben, um das Mädchen zurück zu gewinnen. Als das Lied dann fertig war, habe ich festgestellt, dass es gar nicht um das Mädchen ging, sondern um mich.“

Damit war die Latte für das Album gelegt: „Ich wollte keine Maske aufsetzen und in keine Rolle schlüpfen, sondern ganz ehrliche Musik machen.“ Und das gelingt Mark Forster überraschend vielschichtig. Da gibt es treibende Beats bei „Du und ich“ oder üppige und doch schräge Streicher wie bei „Nur Du“. Auch textlich hebt sich Forster von der Masse ab: Poetische Texte in scheinbar schlichter Alltagssprache, das muss man erst einmal draufhaben.

Forsters einziges Problem könnte sein, mit seiner Vielseitigkeit zwischen allen Stühlen zu landen: Zu anspruchsvoll für Deutschpop oder gar Schlager, zu poetisch fürs Radio.

Doch seit seiner Pilgerreise auf dem Jakobesweg ist Mark Forster gelassener geworden: „Das Album ist genauso geworden wie ich es mir gewünscht und vorgestellt habe. Jetzt bin ich einfach nur neugierig, wie es den Leuten gefällt.“

Das Album „Karton“ von Mark Forster erscheint im Juni bei Columbia Four Music. Neugierig geworden auf Mark Forster? www.markforster.de

Aktuell arbeit Mark Forster mit Sido zusammen. Der enstandene Song „Sido feat. Mark Forster – Einer dieser Steine“ ist sehr erfolgreich.

Zum Song auf YouTube
Sido feat. Mark Forster - Einer dieser Steine

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Dana Müller

Dana

Dana lebt in Köln, hat „irgendwas mit Medien“ studiert und ist ständig in Sachen Text unterwegs – ob beim Konzert für die Nachlese, in der Bibliothek für ihre Doktorarbeit oder für euch in der TAKE! Redaktion.